1686. An die Abiturienten des Mariahilfer Gymnasiums

1686. An die Abiturienten des Mariahilfer Gymnasiums


Wohl ehedem, da trank des Weines
Auch ich mein' Theil und zwar kein kleines,
Nun aber muß ich mich bequemen,
Das Ding mehr objectiv zu nehmen,
Und still verborgen hinter'm Zaun,
Wenn and're trinken, zuzuschau'n.
Und wahrlich! Wenn man fünfundfunfzig,
Dann ist es Zeit, daß die Vernunft sich
Vernehmen läßt und weise spricht:
»Hör, Alter! Das bekommt dir nicht!« –
Auch spürt man, daß man gar nicht mehr
So liebenswürdig, wie vorher.
Da ich denn also fürderhin
Zur Zierde nicht zu brauchen bin,
Und wäre nur wie dürres Reisig
Im frischen Kranz der »fünfunddreißig«,
Und weil mein Saitenspiel schon staubig,
So seh' ich, fühl' ich, denk' ich, glaub' ich,
Es ist für mich weitaus das Beste,
Ich bleib' von diesem Jubelfeste,
Von Faß und Spaß und Glas und Naß
Zu Haus mit meinem Brummelbaß.
Wiedensahl.[20. Juni 1887]

Wilhelm Busch.

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TextGrid Repository (2026). Collection 40. 1686. An die Abiturienten des Mariahilfer Gymnasiums. 1686. An die Abiturienten des Mariahilfer Gymnasiums. Corpus of Literary Modernity (Kolimo+). Kolimo+. https://hdl.handle.net/21.11113/4fvdd.0